Micron Document
____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|


The NomadNet German Wikipedia | Archives | Info
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b

🔍 Search

ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ

FĂŒnf-Punkte-Plan
──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────
top
Als FĂŒnf-Punkte-Plan (offiziell: FĂŒnf Punkte fĂŒr sichere Grenzen und das Ende der illegalen Migrationcite-ref-0-1-0[1]) wird ein kurz vor der Bundestagswahl 2025 durch die CDU/CSU-Fraktion in den 20. Deutschen Bundestag eingebrachter Entschließungsantrag zur Migrationspolitik bezeichnet. Der Plan geht zurĂŒck auf die Idee des OppositionsfĂŒhrers und Kanzlerkandidaten der Union, Friedrich Merz (CDU). Ein entsprechender Entschließungsantrag wurde am 29. Januar 2025 im Bundestag mit knapper Mehrheit angenommen.cite-ref-1-2-0[2] Es war der erste Beschluss des Bundestages in einer Sachfrage, der ohne die Zustimmung der AfD-Fraktion keine Mehrheit gefunden hĂ€tte.

Contents

‱ Abstimmung
‱ Politik
‱ Historiker

──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────

Vorgeschichte

Nach dem Ausscheiden der FDP aus der vorherigen Ampel-Koalition verfĂŒgte die verbleibende rot-grĂŒne Bundesregierung ĂŒber keine Mehrheit im Parlament. Um BeschlĂŒsse zu fassen, griffen die Parteien daher auf ad-hoc-Koalitionen zurĂŒck, um bestimmte Sachfragen zu klĂ€ren und Gesetze zu verabschieden. Die Mehrheiten im Parlament waren daher wechselnd.

Friedrich Merz hatte im Zuge des Endes der Ampel-Koalition am 13. November 2024 folgendes Versprechen abgegeben: „FĂŒr die wenigen verbleibenden Entscheidungen, die ohne Bundeshaushalt möglich sein könnten, will ich Ihnen hier einen Vorschlag machen: Wir sollten mit Ihnen, den Sozialdemokraten, und Ihnen, die GrĂŒnen, vereinbaren, dass wir nur die Entscheidungen auf die Tagesordnung des Plenums setzen, ĂŒber die wir uns zuvor mit Ihnen von der SPD und den GrĂŒnen in der Sache geeinigt haben, sodass weder bei der Bestimmung der Tagesordnung noch bei den Abstimmungen in der Sache hier im Haus auch nur ein einziges Mal eine zufĂ€llige oder tatsĂ€chlich herbeigefĂŒhrte Mehrheit mit denen da von der AfD zustande kommt.“cite-ref-3[3]cite-ref-4[4]

Am 22. Januar 2025 tötete ein mutmaßlich psychisch-kranker ausreisepflichtiger Asylbewerber in Aschaffenburg zwei Menschen und verletzte drei weitere mit einem Messer; siehe Messerangriff in Aschaffenburg 2025.cite-ref-5[5]cite-ref-6[6] Friedrich Merz legte als Reaktion auf die Tat anschließend den FĂŒnf-Punkte-Plan vor.

Am 24. Januar 2025 rĂŒckte Merz von seiner vorherigen Position zur Abgrenzung der CDU/CSU-Fraktion von der AfD ab. Bei der AnkĂŒndigung, dass seine Fraktion den FĂŒnf-Punkte-Plan und das Zustrombegrenzungsgesetz in den Bundestag einbringen werden, bekrĂ€ftigte er: „[W]ir werden sie einbringen, unabhĂ€ngig davon, wer ihnen zustimmt.“cite-ref-7[7]

Inhalt des Plans

Der FĂŒnf-Punkte-Plan umfasst:

1. Dauerhafte Grenzkontrollen an allen deutschen Grenzen
2. Konsequente ZurĂŒckweisung aller Versuche illegaler Einreise
3. Faktisches Einreiseverbot fĂŒr Personen ohne gĂŒltige Einreisedokumente
4. Sofortige Inhaftierung von ausreisepflichtigen Personen
5. VerschĂ€rfung des Aufenthaltsrechts fĂŒr StraftĂ€ter und GefĂ€hrder

Außerdem sieht er vor, dass Asylsuchende an der Grenze zurĂŒckgewiesen werden können.cite-ref-8[8]cite-ref-9[9]

Abstimmung

Am Mittwoch, den 29. Januar 2025 stimmte eine Mehrheit aus CDU/CSU (187 Stimmen), FDP (80 Stimmen) und AfD (75 Stimmen) mit 6 fraktionslosen Abgeordneten fĂŒr den entsprechenden Entschließungsantrag im Deutschen Bundestag.cite-ref-10[10]cite-ref-1-2-1[2] Insgesamt wurden 702 Stimmen abgegeben – 348 Ja-Stimmen, 344 Nein-Stimmen und zehn Enthaltungen.cite-ref-11[11] 25 Abgeordnete (2 der Linken, 1 BSW, 4 BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, 7 SPD, 4 AfD, 3 CDU/CSU, 3 FDP und 1 Fraktionsloser) fehlten an diesem Tag entschuldigt.cite-ref-12[12]

Kritik und Reaktionen

Politik

Nach der Abstimmung ĂŒber den FĂŒnf-Punkte-Plan trat Bernd Baumann von der AfD ans Rednerpult und sagte: „Jetzt und hier beginnt eine neue Epoche. Jetzt beginnt etwas Neues. Und das fĂŒhren wir an. Sie können folgen, Herr Merz, wenn Sie noch die Kraft dazu haben.“ Journalisten von Handelsblatt schrieben: „Das Votum könnte eine ZĂ€sur in der deutschen Politik sein – und den Wahlkampf verĂ€ndern.“cite-ref-13[13]

Die frĂŒhere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) veröffentlichte eine ErklĂ€rung, in der sie auf eine frĂŒhere Rede von Friedrich Merz vom 13. November 2024 verwies, in der Merz „versehentliche oder tatsĂ€chliche Mehrheiten mit der AfD“ vermeiden wollte. Sie kritisierte somit: „FĂŒr falsch halte ich es, sich nicht mehr an diesen Vorschlag gebunden zu fĂŒhlen und dadurch am 29. Januar 2025 sehenden Auges erstmalig bei einer Abstimmung im Deutschen Bundestag eine Mehrheit mit den Stimmen der AfD zu ermöglichen.“cite-ref-14[14]

Die Abgeordnete Monika GrĂŒtters (CDU) veröffentlichte ein Statement, in dem sie ihr Fernbleiben von der Abstimmung erklĂ€rt und ihre Ablehnung zum Ausdruck bringt. Hierbei mahnte sie, dass „die CDU, die das C in ihrem Namen trĂ€gt und immer wieder um dessen Bedeutung ringt, die sozialethische Komponente ihres Handelns nie vernachlĂ€ssigen“cite-ref-15[15] sollte.

Der ungarische MinisterprĂ€sident Viktor OrbĂĄn begrĂŒĂŸte die Verabschiedung des Antrags durch den Bundestag.cite-ref-16[16] Der Bundeskanzler Österreichs, Alexander Schallenberg, kritisierte einseitiges Handeln durch dauerhafte Grenzkontrollen und plĂ€dierte stattdessen fĂŒr eine gemeinsame Lösung des Problems.cite-ref-17[17] Der Innenminister Luxemburgs, LĂ©on Gloden, drohte angesichts der geplanten dauerhaften Grenzkontrollen mit einem Einspruch gegen diese Maßnahmen bei der EU-Kommission.cite-ref-18[18]

Der Kanzlerkandidat der GrĂŒnen, Robert Habeck, veröffentlichte spĂ€ter seinen Zehn-Punkte-Plan fĂŒr eine Sicherheitsoffensive und mehr Abschiebungen. Der niedersĂ€chsische Landesverband der GrĂŒnen Jugend kritisierte daraufhin Habeck wolle „eine menschenfeindliche Abschiebepolitik, die sich an rechten Narrativen orientiert“ und kommentierte „Habeck oder Merz, wo ist der Unterschied?“.cite-ref-19[19]cite-ref-20[20]

Der Initiator des Plans, Friedrich Merz, stellte wenige Wochen spÀter in einem TV-Duell mit Olaf Scholz fest, dass seine geforderte Inhaftierung ausreisepflichtiger Personen in dieser Form unrealistisch sei.cite-ref-21[21]

Politische Beobachter

Hans-Joachim Vieweger kommentierte in der Tagesschau, viele Menschen könnten es nicht mehr hören, dass Kanzler Scholz und andere immer wieder eine rigorose Abschiebepolitik ankĂŒndigten und dann viel zu wenig passiere. Wer immer nur sage, was nicht gehe, der erzeuge Unzufriedenheit und Demokratieverdrossenheit. Das EU-Recht beispielsweise sei nicht vom Himmel gefallen, sondern von Politikern so beschlossen worden. Es könne also auch wieder geĂ€ndert werden. Und das sei die Erwartung der großen Mehrheit der Menschen im Land.cite-ref-22[22]

Julius Betschka kommentierte im Stern, Merz habe einen schweren Fehler gemacht, indem er einen PrĂ€zedenzfall geschaffen und gleichzeitig Olaf Scholz den Gefallen getan habe, die Brandmauer-Debatte zu eröffnen. Diese Debatte verdecke die ganze Sprachlosigkeit von Olaf Scholz in der Migrationsfrage. Dass Bundeskanzler Scholz beim Migrationsthema nur darĂŒber rede, was nicht gehe, sei eine „BankrotterklĂ€rung“.cite-ref-23[23]

Im WDR kommentierte Tobias Zacher, Merz sei es nur darum gegangen, die Bundesregierung als Regierung ohne Mehrheit vorzufĂŒhren. FĂŒr dieses Wahlkampfmanöver habe er das grĂ¶ĂŸte Tabu in der deutschen parlamentarischen Demokratie gebrochen. Rechtsextremisten kĂ€men an die Macht, indem sie die Demokratie dafĂŒr ausnutzten, die Demokratie zu zerstören; dabei gebe es SteigbĂŒgelhalter. Um das zu verhindern, seien konservative Demokraten entscheidend. Merz-Kritiker wie Hendrik WĂŒst hĂ€tten sich deshalb klar gegen den Antrag stellen mĂŒssen.

Zivilgesellschaft

Bereits als Reaktion auf die AnkĂŒndigung, den Entschließungsantrag einzubringen, kam es zu ersten Demonstrationen auf öffentlichen PlĂ€tzen und vor Parteizentralen der CDU. Diese wurden nach der Annahme des Antrags durch den Deutschen Bundestag erweitert und es kam – auch mit Hinblick auf das am 31. Januar 2025 zur Abstimmung stehende Zustrombegrenzungsgesetz – zu Farbangriffen auf und Besetzungen von BĂŒros und Zentralen der CDU.

Der Holocaust-Überlebende Albrecht Weinberg und der mit Dokumentationen ĂŒber den Holocaust bekannt gewordene Fotograf und Filmemacher Luigi Toscano kĂŒndigten an, ihre Bundesverdienstkreuze zurĂŒckgeben zu wollen.cite-ref-24[24] Der bekannte Publizist Michel Friedman trat aus der CDU aus.cite-ref-25[25]

Siehe auch

:

Proteste gegen Rechtsextremismus in Deutschland und Österreich 2025

Laut einer reprĂ€sentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur unterstĂŒtzt rund die HĂ€lfte der deutschen Wahlberechtigten das Vorgehen der Union, zur Durchsetzung ihrer VorschlĂ€ge zur Migrationspolitik eine Mehrheit mit der AfD in Kauf zu nehmen. 52 Prozent fanden das Vorgehen richtig oder eher richtig und 38 Prozent falsch oder eher falsch. Die ZurĂŒckweisung an der Grenze befĂŒrworten 63 Prozent der Befragten, wĂ€hrend 25 Prozent dies ablehnen.cite-ref-26[26] Laut einer Umfrage von Infratest dimap gewannen sowohl CDU als auch AfD nach den gemeinsamen Abstimmungen im Bundestag leicht an UnterstĂŒtzung. Gut vier von zehn Befragten (43 %) bewerteten das Unionsvorgehen im Bundestag als „grundsĂ€tzlich richtig“, wĂ€hrend 27 Prozent das Vorgehen als „grundsĂ€tzlich falsch“ ablehnten.cite-ref-27[27]cite-ref-28[28]

Rechtswissenschaften

Zwar löste der Entschließungsantrag keine unmittelbaren Rechtsfolgen fĂŒr die in ihm benannten Punkte aus, dennoch wurde in der Folge kontrovers darĂŒber diskutiert. Hierbei war insbesondere fraglich, welche der beabsichtigten Maßnahmen bereits mit der bestehenden Gesetzeslage vereinbar waren oder ob man hierfĂŒr deutsches Recht oder Unionsrecht erst Ă€ndern mĂŒsse.

Winfried Kluth und Christian Rath vertreten die Ansicht, dass ZurĂŒckweisungen gemĂ€ĂŸ dem FĂŒnf-Punkte-Plan zwar nach der deutschen Verfassung (Art. 16a Abs. 2 GG) und § 18 Abs. 1 AufenthG grundsĂ€tzlich möglich ist, der Vorrang des Europarechts dem jedoch entgegensteht. Die Dublin-III-Verordnung fordert jedoch, dass Deutschland Asylantragsteller aufnimmt und in einem geordneten Verfahren an das zustĂ€ndige Asylland ĂŒberstellt. Diese Überstellung an das zustĂ€ndige Land scheitert in der Praxis in der Regel und auch das Heimatland verweigert in der Regel eine RĂŒcknahme erfolgloser Asylantragsteller. Die CDU argumentiert daher, dass die Dublin-III-Verordnung inzwischen so dysfunktional sei, dass niemand sich mehr daran halten mĂŒsse. Christian Rath konzidiert, dass allgemein bekannt sei, dass die Verordnung dysfunktional geworden ist. Er ist jedoch der Ansicht, dass die Verordnung trotzdem eingehalten werden mĂŒsse und Deutschland stattdessen die anderen EU-Staaten beim EuGH auf Einhaltung von Dublin III verklagen mĂŒsse. Weiterhin will sich die CDU auf Art. 72 AEUV berufen, nach dem EU-Recht ignoriert werden kann, wenn die nationale Sicherheit und Ordnung bedroht ist (Ordre-public-Vorbehalt). Rath verweist hier darauf, dass der EuropĂ€ische Gerichtshof (EuGH) in dieser Frage in der Vergangenheit recht restriktiv war. Es könnte somit dazu kommen, dass der EuGH nach Klagen von NGOs der FlĂŒchtlingshilfe die Maßnahmen fĂŒr rechtswidrig erklĂ€rt.cite-ref-29[29]cite-ref-0-1-1[1] Walter Obwexer vertrat in der Sendung ZiB 2 die Ansicht, dass dauerhafte Kontrollen an den Binnengrenzen mit Blick auf den Schengener Grenzkodex und die Rechtsprechung des EuGH nicht möglich seien. Zudem sei auch die ZurĂŒckweisung von Asylbewerbern nicht mit Unionsrecht vereinbar.cite-ref-30[30]cite-ref-31[31]

Der Verfassungsrechtler und PrĂ€sident des Bundesverfassungsgerichts a. D. Hans-JĂŒrgen Papier sieht ZurĂŒckweisungen an der Grenze als verfassungsrechtlich zulĂ€ssig und geboten an. Er vertritt die Ansicht, der Anwendungsvorrang des Unionsrechts finde in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts seine Grenzen. Diese seien etwa ĂŒberschritten, wenn GrundsĂ€tze der rechtsstaatlichen Demokratie im Mitgliedsstaat ausgehöhlt wĂŒrden, wozu der Kernbereich der staatlichen SouverĂ€nitĂ€t gehöre. Hiermit wĂ€re es unvereinbar, wenn der Staat gezwungen wĂ€re, jedem AuslĂ€nder grundsĂ€tzlich die Einreise auf sein Staatsgebiet zu erlauben, wenn dieser angibt, Asyl beantragen zu wollen – auch wenn ersichtlich ist, dass offenkundig kein Anspruch hierauf besteht, weil er aus einem anderen EU-Mitgliedstaat einreist oder der Antrag aus sachlichen GrĂŒnden offensichtlich keine Aussicht auf Erfolg hat.cite-ref-32[32]

Historiker

Heinrich August Winkler Ă€ußerte, dass eine ZurĂŒckweisung an der Grenze zu einem demokratischen Nachbarstaat mit der Verfassung vereinbar sei. Dies entspreche der Intention der MĂŒtter und VĂ€ter des Grundgesetzes, die ein institutionelles Asylrecht gewollt hĂ€tten, bei dem der Staat festlegen kann wem er Schutz gewĂ€hrt. Der Gesetzentwurf gehe, indem er unerlaubte Einreisen und Asylmigration zu unterbinden strebt, mehrere Schritte in diese Richtung. Das gegenwĂ€rtige individuelle Asylrecht sei faktisch ein Einwanderungsrecht fĂŒr jeden. Es lasse sich nicht leugnen, „dass illegal eingereiste AuslĂ€nder sich nur auf das Asylrecht berufen mĂŒssten, um sich einen vorlĂ€ufigen, nicht selten zeitlich unbefristeten Bleibestatus in der Bundesrepublik zu verschaffen, obwohl sie kein politisches Asyl beanspruchen können“. Seiner Ansicht nach war es aber ein Fehler, den Gesetzentwurf noch vor der Wahl zur Abstimmung zu stellen. Dadurch sei eine verschĂ€rfte Polarisierung entstanden, die der politischen Kultur der deutschen Demokratie nicht gut tue.cite-ref-33[33]cite-ref-34[34]

Einzelnachweise

cite-note-0-11. ↑ Winfried Kluth: Jenseits geltenden Rechts. In: Verfassungsblog. 30. Januar 2025, ISSN 2366-7044, doi:10.59704/029a79eface02da5 (verfassungsblog.de [abgerufen am 31. Januar 2025]).
cite-note-1-22. ↑ Deutscher Bundestag - Mehrheit stimmt nach RegierungserklĂ€rung fĂŒr Migrationsantrag... Abgerufen am 31. Januar 2025.
cite-note-33. ↑ ErklĂ€rung von Bundeskanzlerin a. D. Dr. Angela Merkel zur Abstimmung im Deutschen Bundestag am 29. Januar 2025. 30. Januar 2025, abgerufen am 1. Februar 2025.
cite-note-44. ↑ Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll des Bundestages 20/199, laufende Nummerierung 25830 Abschnitt C. Deutscher Bundestag, 13. November 2024, abgerufen am 1. Februar 2024.
cite-note-55. ↑ Entsetzen nach Angriff auf Kindergruppe mit zwei Toten in Aschaffenburg. Abgerufen am 31. Januar 2025.
cite-note-66. ↑ LTO: Ausreisepflichtig, krank, gefĂ€hrlich: Was können Behörden tun? Abgerufen am 31. Januar 2025.
cite-note-77. ↑ Merz: Union macht MigrationsantrĂ€ge - "unabhĂ€ngig davon, wer zustimmt". Abgerufen am 2. Februar 2025.
cite-note-88. ↑ Deutscher Bundestag: Drucksache 20/14698. Abgerufen am 31. Januar 2025.
cite-note-99. ↑ Stuttgarter Zeitung: Was ist der 5-Punkte-Plan (Liste)? Abgerufen am 31. Januar 2025.
cite-note-1010. ↑ tagesschau.de: Bundestag stimmt fĂŒr FĂŒnf-Punkte-Plan der Union zur Migration. Abgerufen am 31. Januar 2025.
cite-note-1111. ↑ Mehrheit stimmt fĂŒr FĂŒnf-Punkte-Plan der Union. In: Gera Magazin. 29. Januar 2025, abgerufen am 1. Februar 2025.
cite-note-1212. ↑ Deutscher Bundestag Stenografischer Bericht 209. Sitzung. Berlin 29. Januar 2025, S. 27074–27078, 27167 (bundestag.de [PDF]).
cite-note-1313. ↑ Dieser Tag kann die Politik verĂ€ndern. 29. Januar 2025 (handelsblatt.com).
cite-note-1414. ↑ ErklĂ€rung von Bundeskanzlerin a. D. Dr. Angela Merkel zur Abstimmung im Deutschen Bundestag am 29. Januar 2025. 30. Januar 2025, abgerufen am 31. Januar 2025.
cite-note-1515. ↑ Mein Statement zur Abstimmung vom 29. Januar 2025. 30. Januar 2025, abgerufen am 31. Januar 2025.
cite-note-1616. ↑ Viktor Orban: (ohne Titel). Abgerufen am 31. Januar 2025.
cite-note-1717. ↑ LTO: Österreichs Kanzler kritisiert GrenzplĂ€ne von Merz. Abgerufen am 8. Februar 2025.
cite-note-1818. ↑ Luxemburg droht mit Einspruch gegen deutsche Grenzkontrollen. Abgerufen am 8. Februar 2025.
cite-note-1919. ↑ GrĂŒne Jugend legt eigenen Zehn-Punkte-Plan vor. 5. Februar 2025, abgerufen am 5. Februar 2025.
cite-note-2020. ↑ GrĂŒne Jugend kritisiert Habecks Zehn-Punkte-Plan – und stellt eigenen vor. 5. Februar 2025, abgerufen am 5. Februar 2025.
cite-note-2121. ↑ Friedrich Merz: CDU-Chef gibt Forderung aus Migrationsantrag auf. In: Der Spiegel. 20. Februar 2025, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 21. Februar 2025]).
cite-note-2222. ↑ SPD und GrĂŒne mĂŒssen Merz dankbar sein. 29. Januar 2025, abgerufen am 5. Februar 2025.
cite-note-2323. ↑ Meinung: FĂŒr einen Bundeskanzler war das eine BankrotterklĂ€rung. In: Der Stern. 30. Januar 2025, abgerufen am 31. Januar 2025.
cite-note-2424. ↑ Migrationspolitik: Holocaust-Überlebender gibt Verdienstkreuz zurĂŒck. Abgerufen am 31. Januar 2025.
cite-note-2525. ↑ Zentralrat der Juden in Deutschland K.d.ö.R: „Unentschuldbares Machtspiel“: Michel Friedman tritt aus CDU aus. 30. Januar 2025, abgerufen am 31. Januar 2025.
cite-note-2626. ↑ Mehrheit der Deutschen hĂ€lt Merz‘ Vorgehen und ZurĂŒckweisungen an der Grenze fĂŒr richtig. In: welt.de. 5. Februar 2025, abgerufen am 5. Februar 2025.
cite-note-2727. ↑ ARD-Deutschlandtrend: Union und AfD legen in Umfrage leicht zu. In: Spiegel Online. 6. Februar 2025, abgerufen am 6. Februar 2025.
cite-note-2828. ↑ Johannes Wiedemann: Deutschlandtrend: Aufwind fĂŒr die Union – Wie sich Merz‘ „All in“ jetzt auszahlt. In: welt.de. 6. Februar 2025, abgerufen am 6. Februar 2025.
cite-note-2929. ↑ LTO: Merz-PlĂ€ne zu ZurĂŒckweisungen sind europarechtswidrig. Abgerufen am 31. Januar 2025.
cite-note-3030. ↑ ORF Zeit im Bild: Wird Deutschland zum zweiten Ungarn? Europarechtsexperte im Interview | ZIB 2 vom 29.01.2025. 30. Januar 2025, abgerufen am 8. Februar 2025 (bei 0:23).
cite-note-3131. ↑ „Eindeutig nicht erlaubt und verboten“: Europarechtsexperte ordnet Merz’ AsylplĂ€ne ein. 31. Januar 2025, abgerufen am 8. Februar 2025.
cite-note-3232. ↑ „Eine solche ZurĂŒckweisung an den deutschen Binnengrenzen ist ohne weiteres zulĂ€ssig“. In: Die Welt. 24. Januar 2025, abgerufen am 24. Januar 2025.
cite-note-3333. ↑ Die deutsche Asyllegende. In: Der Spiegel. 8. Februar 2025, abgerufen am 8. Februar 2025.
cite-note-3434. ↑ Prominenter Historiker fĂŒr Abschaffung des individuellen Rechts auf Asyl. In: Die Welt. 8. Februar 2025, abgerufen am 8. Februar 2025.